
Antigone: Hämon verzeih mir unsern lächerlichen Streit von gestern abend. Verzeih mir alles. Ich war im Unrecht. Bitte verzeih!
Hämon: Du weist genau, dass ich dir schon verziehen hatte, als du die Tür hinter dir zu warfst. Dein Parfüm war noch überall. Ich habe dir gleich verziehen. (Er hält sie in den Armen, blickt sie an und lächelt.)
Antigone: (Sie presst sich an ihn.) Wie war ich doch dumm gestern! Ein ganzer Abend vertan! Ein schöner, langer Abend.
Hämon: Wir haben noch viele andere vor uns, Antigone.
Antigone: Vielleicht nicht.
Hämon: Auch war es nicht unser letzter kleiner Streit. So was gehört doch zum wirklichen Glück.
Antigone: Ja...zum Glück. Höre, Hämon...
Hämon: Was gibt’s, meine kleine Närrin? (Sie im Arm haltend.) Gefällt es dir so?
Antigone: Ja. Eine Minute noch so.
Hämon: Nur eine Minute?
Antigone: Ja – aber weißt du eine Minute ist lang. Wenn man die Augen schließt kann sie ein ganzes Leben lang dauern.
Hämon: (Streichelt sie.) Meine kleine Närrin.
Antigone: Immer sagst du meine kleine Närrin. In Wirklichkeit bin ich doch gar nicht verrückt.
Hämon: Nein Liebling, in Wirklichkeit nicht.
Antigone: Halte mich jetzt ganz fest. So fest wie noch nie, dass ich deine ganze Kraft in mir aufnehme.
Hämon: So ganz fest.
Antigone: Schön! (Sie bleibt einen Augenblick ganz ruhig stehen.) Höre, Hämon!
Hämon: Ja?
Antigone: Weißt du der kleine Junge den wir haben wollten...
Hämon: Ja?...
Antigone: Wie hätte ich ihn gegen alles beschützt und verteidigt! Ganz fest hätte ich ihn an mich gedrückt., dass er sich nie vor etwas gefürchtet hätte. Unser Junge, Hämon! Er hätte zwar eine kleine zerzauste Mutter gehabt, aber vielleicht wäre sie besser gewesen als alle anderen mit ihren prallen Brüsten und ihren großen Schürzen. Das glaubst du doch auch, nicht wahr?
Hämon: Doch Liebling....
Antigone: Und glaubst du auch, dass ich eine richtige Frau gewesen wäre?
Hämon: (lächelt.) Eine richtige Frau.
Antigone: Nein lach mich nicht aus. Die anderen sind alle größer und schöner. (Leise.) Aber es hat dir doch damals gefallen?
Hämon: Du weißt doch das ich dich gern habe so wie du bist.
Antigone: (Drückt sich fest an ihn.) Oh! Und du hast mich wirklich geliebt nicht wahr, an jenem Abend?
Hämon: (Sie im Arm wiegend.) An welchem Abend?
Antigone: Hattest du dich auch wirklich nicht getäuscht, als du damals auf dem Ball zu mir in meine Ecke kamst? Hast du es seit dem niemals bedauert? Hattest du nie gedacht, vielleicht nur einen Augenblick lang, du hättest zu Ismene gehen sollen?
Hämon: Was denkst du nur für dummes Zeug?
Antigone: Deine starken Arme, die mich umschließen, sie lügen nicht? Und deine Hände auf meinen Schultern, die schöne Wärme, das unendliche Vertrauen, das mich erfüllt, sobald ich meinen Kopf an deiner Brust berge – das alles lügt nicht?
Hämon: Ich hab dich lieb, Antigone.
Antigone: (den Kopf an seiner Brust) Aber sieh, ich bin doch so mager und habe vom vielen Herumspringen ganz harte Schenkel und feste Arme. Mein Geischt ist sonnenverbrannt, während Ismene mit ihrem Öl und ihrer feinen Creme ganz rosig und zart wie ein Pfirsich ist. Und außerdem habe ich noch gar keinen richtigen Busen.
Hämon: Mein kleiner Dummkopf.
